Fachtagung: Schule – (k)ein Ort der Diskriminierung?!
9. September 2016
Schulen sind keine Inseln der Glückseligkeit jenseits des mitunter rauen Alltags der Gesellschaft – für Lehrkräfte, Pädagog_innen und Schüler_innen eigentlich ein alter Hut. Aber was tun Schulen, wenn sich in Deutschland die Gesellschaft spürbar polarisiert und das Erstarken rechtspopulistischer Parteien und Gruppen auch an Schulen sichtbar wird? Wer dieser Entwicklung mit einer demokratischen und zivilcouragierten Schulkultur etwas entgegensetzen will, kommt nicht umhin, mit Anderen die Rahmenbedingungen schulischen Lernens, aber auch die eigenen Erfahrungen und pädagogischen Ziele kritisch zu reflektieren und zu diskutieren.

Deshalb lud das NDC Sachsen als Landeskoordination des Netzwerkes von Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage (SoR-SmC) zusammen mit dem Weiterdenken-Heinrich-Böll-Stiftung Sachsen e.V. und der Bundeskoordination SoR-SmC ein zu der Fachtagung "Schule – (K)ein Ort der Diskriminierung?! Auf dem Weg zu einer Schule ohne Rassismus in Zeiten von Pegida & Co.". Mehr als hundert Lehrkräfte, Pädagog_innen und Schüler_innen, Kooperationspartner_innen, Multiplikator_innen und Förderer folgten der Einladung und kamen am 9. September 2016 im Hygienemuseum Dresden für einen Tag zusammen.

Die Tagung wurde mit einem einführenden Gespräch zwischen der Staatsministerin für Gleichstellung und Integration Petra Köpping, dem Abteilungsleiter für Grundsatz und Berufsbildende Schulen im Sächsischen Kultusministerium Wilfried Kühner und dem Vertreter der Bundeskoordination Matthias Schwerendt eröffnet. Alle Vertreter_innen des Podiums waren sich einig, dass die Schulen im Courage-Netzwerk ein beeindruckendes Engagement für eine demokratische Gesellschaft leisten und dass angesichts des Rechtsrucks in der Bundesrepublik Staat und Zivilgesellschaft zusammen für Grundrechte und ein solidarisches Miteinander einstehen müssen.

Zwei Vorträge gaben einen tiefen Einblick in die zwei Themenfelder, die den Spannungsbogen der Tagung bildeten. Dr. Christian Demuth aus Dresden stellte in seinem Vortrag die grundlegenden Elemente und Strategien rechtspopulistischer Parteien heraus und erläuterte, wie die politische Bildung sich den Herausforderungen von Gruppen und Parteien wie Pegida oder AfD stellen muss. Dorothea Schütze vom Institut für Demokratieentwicklung hingegen skizzierte in ihrem Input die Voraussetzungen und Wege hin zu einer diskriminierungsfreien Schule.
Nach Podium und Vorträgen erfolgte in 45 Minuten ein rasantes Vernetzen. Alle Teilnehmenden waren gefordert, aufeinander zuzugehen, um sich im direkten Gespräch gegenseitig zu befragen und knappe Antworten auf folgende Fragen zu finden: wie einem Rechtspopulismus begegnen, wo die Schwierigkeiten in der Argumentation gegen diskriminierende Äußerungen liegen, welche Unterstützung Schulen brauchen, um wirksam gegen Diskriminierung vorzugehen oder wie neu zugezogene Jugendliche gut in den Schulalltag einbezogen werden können. Die Antworten und der Austausch darüber in Kleingruppen schafften einen Übergang von den Vorträgen hin zu den Workshops am Nachmittag.

Der Nachmittag war in 5 Workshops den konkreten Herausforderungen an den Schulen gewidmet. Ein Workshop diskutierte die Umsetzung des Sächsischen Integrationskonzepts in der schulischen Praxis, ein anderer die Rolle von Lehrkräften und Pädagog_innen für eine gelebte Willkommenskultur an der Schule. Ein dritter Workshop wiederum befasste sich mit möglichen Argumentationsstrategien gegen menschenverachtende Einstellungen und Ungleichwertigkeitsideologien, während im vierten Workshop intensiv die Möglichkeiten der Intervention gegen Rechtspopulismus und -extremismus im Internet diskutiert wurden. Ein weiterer Workshop fokussierte auf die Vielfalt muslimischen Lebens, die wichtige Unterscheidung zwischen Islam und Islamismus sowie auf konkrete Formen von Islamophobie in der Schule.

Die Tagung zeigte einmal mehr, wie wichtig Debattenforen in schulischen Netzwerken sind, um respektvoll an Schulen über Geflüchtete, Armut, Pegida, AfD, Islamismus, Hassbotschaften und die Ängste vieler Menschen zu diskutieren. Wenn Schüler_innen und Lehrkräfte auf Augenhöhe über die drängenden gesellschaftspolitischen Fragen diskutieren sollen, dann gilt es sie dabei zu unterstützen: mit Expertise, Räumen zur Reflexion und dem Austausch über menschenrechtsbasierte Handlungsoptionen.

Das Netzwerk von SoR-SmC ist eigens dafür da, um bei den Problemlagen zu unterstützen, die im Kontext des im Netzwerk großgeschriebenen Lernziels Gleichwertigkeit stehen und um an Schulen demokratische, solidarische Werte und Haltungen zu vermitteln und zugleich die Argumentations- und Handlungsfähigkeit von Schüler_innen, Lehrkräften und Pädagog_innen zu stärken. Bleibt dem sächsischen Netzwerk von SoR-SmC zu wünschen, dass es noch viele Tagungen wie diese ermöglicht.


Gefördert wird diese Arbeit durch das "Landesprogramm Weltoffenes Sachsen".

Landeskoodinationen SoR-SmC für das Bundesland Sachsen
Courage - Werkstatt für demokratische Bildungsarbeit e.V.
Matthias Brauneis
Könneritzstraße 7, 01067 Dresden
Tel.: 0351-48 100 66
Fax: 0351-48 100 61
E-Mail: sor-smc(at)netzwerk-courage.de
www.netzwerk-courage.de/sachsen
www.schule-ohne-rassismus.org/wer-wir-sind/landeskoordinationen/sachsen/

Bundeskoodination SoR-SmC
Ahornstraße 5, 10787 Berlin
Tel.: 030 - 21 45 86 0
Fax: 030 - 21 45 86 20
E-Mail: schule(at)aktioncourage.org
www.schule-ohne-rassismus.org/


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