PRESSE ÜBER UNS: TLZ-Podium: Zum demokratischen Handeln Farbe bekennen
7. April 2014
Thüringer Landeszeitung (TLZ), 7.4.2014

TLZ-Podium: Zum demokratischen Handeln Farbe bekennen

Eine von der TLZ moderierte Podiumsdiskussion, widmet sich der wichtigen Arbeit des Netzwerks für Demokratie und Courage und will sie einer noch breiteren Öffentlichkeit bekannt machen.

Erfurt. Den Einwohnern von Monolizien geht es ganz gut, eigentlich. Aber sie werden unzufriedener. Weil die Situation nicht mehr so rosig ist, wie noch vor ein paar Jahren. Die mit absoluter Mehrheit regierende "Fortschrittspartei" muss deshalb etwas tun. Doch ihre Methoden, mit den Problemen umzugehen, diskriminieren viele Menschen.

Das Szenario ist Teil eines Projekttags über Diskriminierung, Gesellschaft und Einflussmöglichkeiten des Thüringer Netzwerks für Demokratie und Courage (NDC). In welche Richtung die Entwicklung in Monolizien geht, "habt ihr selbst in der Hand", lautet die Ansage an Schüler oder Auszubildende. "Wir wollen Mut für Zivilcourage schaffen", sagt NDC-Projektleiterin Doreen Breuer der TLZ. Sie ist eine von zwei hauptamtlichen Mitarbeitern.

Insgesamt 97 Ehrenamtler zwischen 17 und Ende 20 engagieren sich in dem Netzwerk und gehen mit ihren Projekttagen zu neun unterschiedlichen Themen und zwei weiteren Bildungsbausteinen überwiegend in Schulen. Das Angebot richtet sich an Schüler ab der 5. Klasse. "Gemeinsam sprechen wir über Rassismus, Sexismus, Gewalt, Vorurteile, Macht und Machtmissbrauch und die Rolle der Medien in unserer Zeit", sagt Breuer. Es gehe auch darum, den Jugendlichen dabei zu helfen, "Farbe zu bekennen zum demokratischen Handeln". Ebenso wird mit Lehrern, Lehramtsanwärtern und Schulsozialarbeitern gearbeitet, um die Nachhaltigkeit der Konzepte zu steigern.

Ein Forum der Friedrich-Ebert-Stiftung mit Kurzreferaten in Erfurt, an das sich eine von der TLZ moderierte Podiumsdiskussion anschließt, widmet sich der wichtigen Arbeit des NDC und will sie einer noch breiteren Öffentlichkeit bekannt machen. Welchen Stellenwert das Netzwerk mittlerweile hat, wird an der sprunghaft gestiegenen Nachfrage deutlich. 2001 mit etwa 30 Projekttagen gestartet, werden in diesem Jahr bereits 270 durchgeführt. "Inzwischen kommen Lehrer auf uns zu und sagen, kommen sie wieder", erzählt Breuer von ihren Erfahrungen. Doch das Netzwerk, dessen Förderung zum 31. Juli dieses Jahres ausläuft, stößt an seine Grenzen und muss bereits Anfragenden eine Absage erteilen.

Der Journalist und Autor Toralf Staud hat sich auf vielfältigste Art mit Rechtsextremismus beschäftigt und festgestellt, dass er längst keine Randerscheinung mehr ist. 2012 erschien sein Buch "Neue Nazis", in dem er gemeinsam mit Johannes Radke den Wandel der extremen Rechten beschreibt. "Den Begriff Rechtsextremismus mag ich nicht besonders, weil er wenig präzise ist", sagt Staud im TLZ-Gespräch. Er bevorzugt die wissenschaftliche Definition, die darunter die Kombination aus verschiedenen Einstellungen wie Rassismus, Fremdenfeindlichkeit, Autoritarismus, Antisemitismus, Chauvinismus oder Sexismus versteht. "Einzelne Elemente davon finden eine erschreckend hohe Zustimmung in der Mitte der Bevölkerung", sagt Staud und verweist dabei unter anderem auf die Erkenntnisse des jährlich erscheinenden Thüringen-Monitors. "Wenn man die Einstellungen konkret benennt, weiß man besser, was man dagegen tun kann." Neben Breuer und Staud werden die Schulsozialarbeiterin Lisa Rupprecht sowie Sozialministerin Heike Taubert (SPD) auf dem Podium diskutieren. "Ich merke, dass gerade bei Schulen viel Unsicherheit unter den Verantwortlichen zum Umgang mit Rechtsextremismus herrscht", sagt Taubert. Häufig reagierten Bildungseinrichtungen auf rechte Tendenzen unter Schülern, indem sie diese "reflexartig" verdrängten.

Das Ende 2010 von der Landesregierung verabschiedete Landesprogramm für Demokratie, Toleranz und Weltoffenheit hat es sich zur Aufgabe gemacht, Initiativen zu unterstützen, die gegen Neonazis und andere Extremisten von Rechts vorgehen. Diese einseitige Ausrichtung, betont Taubert, sei richtig. Nachholbedarf bei diesem Kampf wird jedoch weiterhin in den ländlichen Regionen des Freistaats gesehen.

Podiumsdiskussion "Engagiert für Demokratie" - Die Arbeit des Netzwerks für Demokratie und Courage (NDC) Thüringen, Dienstag, 8. April, 18 Uhr, Haus Dacheröden, Anger 37, Erfurt

Quelle: TLZ. Hier geht's zum Artikel.


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