Was haben Ausbildungsverantwortliche in der Hand, damit junge Erwachsene gut lernen können? Und: Damit sie Verantwortung übernehmen, selber Würde erfahren und die Würde Anderer achten? Das wurde rege diskutiert beim 7. SKA-Fachtag am 03.09.2026 in Leipzig: „Lernen gestalten, Würde erfahren, Verantwortung ausbilden“.

Über 100 Ausbildungsverantwortliche aus Betrieben, berufsbildenden Schulen und Trägern, zuständigen Stellen wie Gewerkschaften und Kammern aber auch aus der Verwaltung und aus anderen Bildungsträgern sind am Donnerstag, den 03.09.2026, in Leipzig zusammengekommen. Zum Start des Ausbildungsjahres 2026/27 haben sie sich Zeit genommen für Input und Austausch zu Lernprozessen, Würde und Verantwortung in der Ausbildung.
Die Sorge darum, dass extrem rechte Lifestyles und populistische Haltungen auch für junge Erwachsene sehr attraktiv sind und somit auch im Ausbildungskontext Diskriminierung und Ausgrenzung zunehmen, wirft die Frage auf: Was kann ich als Ausbildungsverantwortliche tun? Im Zentrum standen dabei zwei Aspekte:
- Was kann Würde in der Ausbildung bedeuten und hilft die Erfahrung, selbst Wertschätzung zu bekommen auch dabei, offener und wertschätzender mit Anderen umzugehen? Und
- Welche Chancen und Potentiale informeller Lernsettings gibt es, um Verantwortung und Selbstwirksamkeit bei Auszubildenden fördern?
In Vorträgen, einem Markt der Möglichkeiten und fünf Workshops wurden Perspektiven, Erfahrungen und Handlungsansätze intensiv diskutiert.
Soziale Kompetenzen in der internationalen Arbeitswelt entscheidend

Den Fachtag eröffnete Helmut Stier, Leiter des Referats Fachkräfte im Sächsischen Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit, Energie und Klimaschutz. In seinem Grußwort betonte er die Bedeutung von Migration als Antwort auf demografische Herausforderungen in der Arbeitswelt. Zugleich verwies er auf die zentrale Rolle der Förderung sozialer Kompetenzen bei jungen Menschen in der Ausbildung für die Schaffung einer gemeinsamen Wertebasis des Zusammenlebens unabhängig von Herkunft, Sprache oder Hautfarbe.
„Entwürdigende Arbeitsbedingungen sind anti-demokratisch.“

Wie hängen Arbeit, Würde und Demokratie zusammen? Dr. Torben Schwuchow, Autor des Buches „Kampf um Würde in der Arbeit“, verweist zunächst auf ein Spannungsverhältnis. So gilt Arbeit einerseits als Voraussetzung für Selbstachtung. Andererseits kann Arbeit eine potentielle Bedrohung des Würdeempfindens darstellen, z.B. bei Arbeitslosigkeit oder demütigenden Arbeitsverhältnissen. Eine ungleiche Verteilung von Würde in der Arbeit bedroht das Gleichheitsversprechen unserer Demokratie. Wenn alle Würdestrategien ausgeschöpft sind, so Schwuchows These, dann ist ein „outgesourcter Protest“ wie die Wahl antidemokratischer Parteien die Folge.
„Informelles Lernen lebt von Vorbildern in Betrieb und Berufsschule.“

Laut Dr. Monika Hackel sind in der heutigen Arbeitswelt neben Fachkompetenzen vor allem Sozialkompetenzen gefragt. Informelle Lernprozesse im Arbeitsalltag bieten Gelegenheit Kommunikations- und Konfliktfähigkeiten, Problemlösefähigkeiten, Medienkompetenzen und interkulturelle Kompetenzen weiterzuentwickeln. Besonders entscheidend: Informelles Lernen lebt von Vorbildern in Betrieb und Berufsschule!
„Wertschätzung zeigt sich täglich in Sprache, Zuhören, Fairness, Verlässlichkeit und aktivem Eingreifen.“
Tim Wachter, Betriebsrat der Deutschen Post AG Niederlassung Dresden
Reger Austausch beim Markt der Möglichkeiten und in den Workshops


Beim Markt der Möglichkeiten haben Partner_innen des SKA-Projekts ihre eigenen Aktivitäten und Lernprojekte für Auszubildende vorgestellt und zum Nachmachen eingeladen. Die Aktivitäten reichen von der aktiven Mitgestaltung der Auszubildenden bei der Verbesserung der Schulkultur an einem BSZ über die eigenen Azubi-Projekte im Betrieb, bis hin zu Sprach-Mentoring zwischen Auszubildenden. Die Möglichkeiten sind zahlreich und mit Kontakten und Erfahrungen im Gepäck, ist der Übertrag in die eigene Organisation einfacher.
Die Workshops widmeten sich Themenschwerpunkten wie der Zufriedenheit von Auszubildenden in der generalistischen Pflege, dem Zusammenhang von Hirnforschung und gelingenden Lernprozessen, Sprachbarrieren in der Ausbildung und deren Abbau, Beförderung eines respektvollen Miteinanders im betrieblichen Ausbildungsalltag und dem Umgang mit antidemokratischen Positionen an der Berufsschule.


Feedbacks zum Fachtag
„Mein heutiges Highlight: Der Impuls zum Zusammenhang von Würde und Arbeitsplatz, der Austausch mit anderen Vertretern verschiedenster Institutionen, Kennenlernen neuer Anlaufstellen und Angebote.“
Feedback eines Teilnehmenden
„Ich wurde heute darin bestärkt, trotz des oft herausfordernden Alltags eine positive Einstellung beizubehalten und vorzuleben.“
Feedback eines Teilnehmenden

Einen herzlichen Dank an alle Teilnehmenden des 7. SKA-Fachtages für den offenen und gewinnbringenden Austausch. Der wurde ermöglicht dank der Förderung des Sächsischen Staatsministeriums für Wirtschaft, Arbeit, Energie und Klimaschutz.
